„Dein Alltag ist ihre Kindheit“

„Maria hat das Bessere gewählt.“ (Lk 10,42)


In den Wochen und Tagen vor Weihnachten herrscht, wohin man auch schauen mag, reger Betrieb: Da sieht man Menschen in Kaufhäusern, auf der Suche nach den perfekten Geschenken. Man sieht Menschen in Supermärkten, die von der Vorbereitung ihres Festtagsmenue vollkommen eingenommen sind. Daheim wartet man angespannt auf das Eintreffen der Paketzulieferer und richtet eifrig alles für das Fest her. Da werden Plätzchen gebacken, Weihnachtsbäume aufgestellt und die letzten Geschenke verpackt. All dies geschieht, mit dem
Ziel vor Augen, ein friedvolles und schönes Fest mit den Lieben zu feiern. Wagt man es in den letzten Tagen vor dem Fest noch alltägliche  Besorgungen zu machen, spürt man die Angespanntheit, die Hast, die Unruhe. 

Aber ist das denn alles notwendig? Müssen wir uns jedes Jahr aufs Neue diesem Stress hingeben? Warum tun wir das überhaupt? 
Im Lukasevangelium wird von einer interessanten Begebenheit berichtet, die sich im Haus der zwei Schwestern Marta und Maria abspielt (Lk 10, 38-42). Marta und Maria bekommen  Besuch: Jesus kehrt bei ihnen ein. Während Marta die ganze Zeit über damit beschäftigt ist, alles für Jesus herzurichten, um es für ihn angenehm zu machen, rührt Maria keinen Finger und sitzt mit Jesus beisammen und lauscht seinen Worten. Marta ist vom Verhalten ihrer Schwester empört und wendet sich mit ihren Gedanken an Jesus, doch der sagt ihr lediglich: „Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt.“ (Lk 10,41-42). Warum prangert Jesus hier nicht das Verhalten der Maria an, die ihrer Schwester die ganze Arbeit überließ? Es ist eben wie mit der von Hektik und Unruhe geprägten Adventszeit: der Blick für das Wesentliche geht verloren. 


Adventsspirale aus Salzteig


Was ist denn das Wesentliche, das Entscheidende in der Adventszeit? Was bedeutet Advent denn überhaupt? 
Der Begriff Advent ist lateinisch und drückte die Ankunft einer bedeutenden Persönlichkeit, wie der Besuch eines Königs, aus. So kam es, dass die Christen diesen symbolträchtigen Begriff übernahmen, um die Adventszeit als eine besondere Zeit des Wartens zu markieren, in der sie sich durch Besinnung, Verzicht und Gebet auf das Geburtsfest Jesu, seiner ersten Ankunft auf Erden, vorbereiteten. 

„Aber nur eines ist notwendig.“ (Lk 10, 41)


Die Adventszeit ist somit eine Einladung an uns, einmal darüber nachzudenken, wo wir das Wesentliche aus den Augen verloren haben. Es ist eine Einladung im Alltag zu Entschleunigen.
Somit bezieht sich dies nicht ausschließlich auf die Adventszeit, sondern umfasst unser ganzes Leben, unseren Alltag. 

In unserer Spielgruppe las ich den Ausspruch, „Dein Alltag ist ihre Kindheit“ (der ebenso als Titel für diesen Blogbeitrag fungiert). Dieser Satz ist so einfach und doch so tiefgründig. Wie handeln wir im Alltag? Welche Prioritäten setzen wir? 
Und während ich über diese Geschichte aus dem Evangelium nachdachte und dabei meine Hausarbeit verrichtete, kam eins meiner Kinder mit einem Buch in der Hand und fordert mich zum Vorlesen auf. Ich war zunächst geneigt zu sagen, dass ich keine Zeit hätte und erst den Haushalt machen möchte. Doch dann entschied ich mich um. Der Staub ist später auch noch da, aber die Kindheit meiner Kinder, in denen der Samen für gute Bindung, Selbstvertrauen und Liebe gepflanzt wird, vergeht so schnell. 


Doch leider erwische ich mich doch immer noch recht häufig dabei, andere Dinge vorzuziehen. Da ist der Geschirrspüler, den ich unbedingt sofort ausräumen möchte oder eine Arbeit, die ich eigentlich noch beenden möchte. Wir sollten uns also öfter Maria als Vorbild nehmen und wie sie, das Wichtigste ins Auge fassen. Und was könnte wichtiger sein als unsere Kinder? 







Eure Sandra



Montessorientdecker
Ich bin ein #MontessoriEntdecker



        
                   


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